ANSÄTZE UND ABWEHR ALTERNATIVER STADTENTWICKLUNG
In dem F+E-Vorhaben 101 02 067 des Umweltbundesamtes zur Stadtentwicklung ohne Landschaftsverbrauch wurden Möglichkeiten zur Freiraumsicherung durch Stadtinnenentwicklung und Methoden zur Erreichung dieses Zieles aufgezeigt. Anhand der Untersuchung über ein dezentrales Versammlungsstätten-Konzept wurde von dem Stadtbau festgestellt, dass in den vorhandenen Versammlungsräumen der Stadt ein ausreichendes Platzangebot bestand.
Im Zuge der Diskussionen um die KTS seit 1983 gründete sich eine Bürgerinitiative (BI), die in dem Beitrag "Freiburg 2000" Stadt mit viel Grün, Alternative Stadtentwicklung kritische Fragen zur Stadtplanung stellte. 1987 wurde eine politische Neubewertung der Stadtentwicklung für Integrität und Mitsprache beim proportionalen Ausbau der Stadtteile ohne Durchgangsverkehr gefordert.
1988 wurde zum Thema "Traditionelle Stadtplanung - Demokratische Stadtentwicklung, Beispiel Freiburg, Analyse und Alternative eine Broschüre mit einem Plan erstellt, der 24 Nachbarschaften mit Stadtteilzentren ohne Durchgangsverkehr zeigt.
Am 9.2.88 beschließt der GR den Bau einer Kultur- und Tagungsstätte an der Bahnhofsachse. Dagegen initiiert eine Bürgerinitiative den Bürgerentscheid vom 26.6.88, wo die Mehrheit von 36.439 (55,4%) EW gegen das Projekt stimmt und nur 29.289 EW (44,6%) dafür, aber das Quorum von 30% (39.567) nicht erreicht wurde, worauf der Gemeinderat ein paar Tage später dennoch für das Projekt stimmte. So dokumentierten der GR und die Verwaltung der Stadt beispielhaft eine autoritäre vordemokratische Einstellung zur Stadtentwicklung. Auf den FNP von 1980 folgt 1997 ein nachträglich genehmigter so genannter "Kleiner FNP" mit einem Flächenverbrauch von 275 Hektar und die große FNP-Fortschreibung 2010 mit weiteren 263 Hektar Bauland. Nach diesem Vorgehen wurde 1994 die Denkschrift "Abschied von Freiburg" verfasst. Für die Stadt gibt der ehemalige Chef der Freiburger Stadtbau die Broschüre "Ein Dach für Alle" zum 10. Jahrestag des Bürgerentscheids heraus, worauf die Rezension“ (K)ein Dach für Alle“ folgt.
Plan 8: FR 2000 Entwurf '88
Leitziele der Freiburger AGENDA 21
Am 5.März 2001 wurden vom 'Freiburger Forum' einstimmig die Leitziele der Freiburger Agende-Arbeitskreise beschlossen. Der Autor war maßgeblich an der Ausarbeitung nachfolgender Leitziele der AK-Stadtentwicklung beteiligt.
Präambel
Stadtentwicklung soll sich durch eine demokratische, soziale, ökologische Stadt- Landschafts- und Verkehrsplanung auszeichnen. Wichtig ist ein integrierter Ansatz, für eine zukunftsfähige Gesamtkonzeption:
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Stadt, Umland und Landschaft bilden einen gemeinsamen Lebensraum,
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es wird ein ausgewogenes Verhältnis von Stadtzentrum/Stadtteilen hergestellt
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die Integrität der Stadtteile wird berücksichtigt
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Verkehrsplanung wird in die Ziele der Stadtplanung eng eingebunden.
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die Einzigartigkeit von Freiburg soll bewahrt und ein gutes Lebensgefühl für seine EinwohnerInnen erreicht werden
Demokratische Stadtentwicklung
Stadtplanung wird auf der Basis von Kooperation und Beteiligung zwischen Stadtverwaltung und Bürgerschaft stattfinden. Die Bürgerschaft wird im Rahmen der AGENDA 21 eng in die Planungen einbezogen und durch Gutachten zu seinen Vorschlägen unterstützt. Demokratische Stadtentwicklung regt Bürgerbegehren/entscheide an, als wichtige Instrumente zur Umsetzung von demokratischen Bewusstsein und Handeln. Beteiligungsformen werden unbürokratisch angelegt, um BürgerInnen neugierig auf kommunale Politik zu machen und diese mitzugestalten.
Stadtteile
In einer Stadt der kurzen Wege wird den Stadtteilen größeres Gewicht beigemessen. Die Attraktivität der Stadtteile soll durch den Ausbau ihrer historischen Bereiche, die Förderung von Identität und Stadtbild, der lokalen Einrichtungen und ihrer Verkehrserschließung hergestellt werden. Dies wird durch die Ausweitung von Fußgänger- und verkehrsberuhigten Zonen unterstützt.
Zu den lokalen Einrichtungen in den Stadtteilen zählen Strukturen zur Förderung des nachbarschaftlichen Miteinanders und der Kommunikation durch Einrichtung eines Bürgertreffs für eine aktive Mitgestaltung durch ihre Bürger- und MigrantInnen, für Soziales (Kinder, Senioren, Behinderte, Sozialhilfe, Fürsorge usw.), Bildung (Schulen, Zweigstellen von VHS, Stadtbibliothek usw.) Kultur (Bühnen, Galerien, Museen, Kommunalen Kinos usw.), Versorgung (Bauernmärkte, Tante Emma-Läden usw.) Sport und Spiel (Hallen, Plätze usw.), Kirchen, öffentlichen Anlagen. Wohnungs- und Arbeitsplätze sollen durchmischt sein.
Architektur
Altbauten sollen sozial verträglich saniert werden und alte Bestände nach den Regeln der Denkmalspflege erhalten werden. Neubauten sollen flexible Grundrisse haben, spätere Veränderungen ermöglichen und eine Vielfalt der Gestaltung garantieren. Großbauvorhaben bedürfen Verträglichkeitsprüfungen.
Verkehr
Die Stadtteile werden mit ihrer Mitte an das über/regionale öffentliche Verkehrsnetz (ÖPNV) und das Straßennetz angebunden. Stadtteilzentren sollen untereinander verkehrsmäßig vernetzt und Stadtteile frei von Durchgangsverkehr sein. Stufenweise soll Null-Tarif eingeführt werden. Der öffentliche Straßenraum ist frei von parkenden Fahrzeugen zu halten.
Die soziale Stadt
Nachbarschaften sollen eine ausgewogene soziale Mischung unterschiedlicher Gruppen von Bewohnern gewährleisten. Zwischen den Stadtteilen wird ein Ausgleich von Bevölkerungsteilen angestrebt, wie Familien und Singles, verschiedenen sozialen Schichten, Migranten, Jahrgängen und Gruppen, die in einem Stadtteil unterrepräsentiert sind.
Ökologie
Um sparsam mit Flächen umzugehen, ist Bauen sowie Nutzung im Bestand und eine Verdichtung mit Maßstäblichkeit und Verhältnismäßigkeit bestehender Bauflächen dem Verbrauch neuer Flächen vorzuziehen. Die Bereiche von Landschafts-, Natur- und Gewässerschutz sollen ausgeweitet, vernetzt und Siedlungszäsuren wiederhergestellt werden. Versiegelte, brachliegende und rückgebaute Flächen des Straßen- und Schienenverkehrs sollen renaturiert und an bestehende Grünzüge angebunden werden.
Ökonomie
Zukünftige Stadtentwicklung soll Qualität statt Quantität garantieren und moderne Ökonomie mit Ökologie verbinden. Stadtentwicklung ist für die Wirtschaft interessant zu gestalten. Mit Ressourcen wird sparsam umgegangen. Kommunale Haushaltsführung wird an die Generationenverpflichtung gebunden.