Vision 2030

FAZIT

Die Vision für eine demokratische Stadtentwicklung 203066 am Beispiel Freiburg im Breisgau kann auch als Modell für Städte mit ähnlichen Strukturen gelten, die sich aus einer mittelalterlichen Gründung im Laufe ihrer Geschichte unter Eingemeindungen von Siedlungen am Stadtrand zu Agglomerationen entwickelt haben wie z.B. Berlin, Hamburg, Frankfurt usw. Das Prinzip beruht auf einem demokratischen Verständnis von Stadtentwicklung, zum Ausgleich der politischer Macht und Kraft der Gründerstädte der Vergangenheit. Es geht dabei um ein demokratisches Bewusstsein im Umgang der Verwaltungszentralen mit der Bürgerschaft in ihren Nachbarschaften. Respekt vor ihrer Geschichte, Anerkennung ihrer Identität und Integrität können sodann subtil Struktur verändern, denn es geht nicht um Abbruch historischen Zeugnisse sondern um Aufbau eines neuen Selbstbewusstseins.

Projektion in die Zukunft kommender Generationen lässt eine demokratisch gedachte und geordnete Stadt wachsen, wie sie heute vielleicht noch utopisch und undenkbar scheint. Dabei bildet die Definition seiner Stadteilgrenzen, die Beachtung der Leitziele der Freiburger AGENDA 21, sowie die Neuordnung von ÖPNV und Straßenverkehr die administrative Grundlage in einem verkehrsberuhigten Stadtteil. Sein Straßennetz ist nicht mehr mit Fremdverkehr belastet, kann für Fußgänger, Radfahrer, Grün und vor allem für ÖPNV rückgebaut werden: das ist der Ansatz für neue Strategien zur Lösung der Verkehrsprobleme67.

Politik: 28 Stadtteile und 14 Sondergebiete bilden die Stadt Freiburg. Auf politischer Ebene ist zunächst ein Vertreter für jeden Stadtteil in den Gemeinderat zu wählen. Sodann ist die bisher vom Statistischen Amt festgelegte Ausdehnung des Stadtteils zu überprüfen, denn hier wird über seine Identität, Integrität, Erschließung, proportionale Ausstattung usw. entschieden. Alle Fragen des Stadtteils werden in je einem FORUM der Bürgerschaft in einem kontinuierlichen Dialogprozess beraten und im Konsens beschlossen, in denen auch Minderheiten berücksichtigt werden, so erhalten die bestehenden Bürgervereine eine demokratische Legitimation.

Verkehr: Freiburg hat wie viele andere Städte und Regionen ein Netz von zahlreichen Haltestellen (8) der DB-AG und einer gigantischen Infrastruktur für Personen- und Güter-Verkehr teils mitten in den Stadtteilen. Dieses Netz belegt die optimalen Trassen und Radien für Geschwindigkeiten bis 100 km/h. Hinzu kommt die Einführung der überregionalen Hochgeschwindigkeitstechnik mit über 200 km/h auf neuen Trassen (z.B. Rheintal-Strecke). Es liegt nahe dass sich die DB-AG auf diese Technik konzentriert, das alte Netz aber privatisiert, verknüpft und für den Regionalverkehr frei gibt.

ÖPNV: Es stellt sich die Frage, ob im Lokalverkehr noch separate, schienengebundene Trassen auf privilegierten Linien mit hohem technischen Aufwand und repräsentativen, schweren Combinos zukunftsfähig sind, wenn ein neu geordnetes Straßennetz mit leichten H-Busse im kürzeren Takt weiträumig auf der Gemarkung (Tuniberg oder Dreisamtal) eingesetzt werden können.

H-Bus-System: Im Zuge des Ausbaus erneuerbarer Energiegewinnung (Solar/Wind/Wasser) und der Neuordnung des Verhältnisses von ÖPNV und MIV wird die schienengebundene Technik von einem trassenfreien ÖPNV abgelöst. Auf die unflexiblen Straßenbahnlinien mit Combinozügen wird eine neue Generation von leichten, mit Brennstoffzellen betriebenen H-Bussen folgen. Mit bis zu 30 Fahrgästen werden diese im 5 Min-Takt oder nach Bedarf auf dem vorhandenen, teilweise beengten innerstädtischen (Stadtteile, Altstadt) und dörflichen Straßennetz (Tuniberg/ Hochdorf/ Ebnet/ Kappel) operieren. Mit dieser Technik können die neu wachsenden Zentren der Stadtteile untereinander und mit dem Stadtzentrum auf den bestehenden Straßen verbunden werden. Zusätzlich können auch bisher nicht erschlossene Bereiche und die Hanglagen erreicht werden. Ferner kann als erstes ein Null-Tarif für Kinder, Behinderte, Studenten, Migranten usw. eingeführt werden. Straßenverkehr: Um das Anwachsen des Individualverkehrs zu bändigen, sind in den meisten Städten Ring-, Umgehungs-, Schnell-Straßen gebaut worden. Freiburg z.B. hat ein respektables, aber nicht geschlossenes Netz von Bundes-, Kreis-, Land-Straßen und Alleen, die aber zum Teil mitten durch Nachbarschaften führen oder an deren Rand abbrechen. In Zukunft ist es sinnvoll, das lokale Netz von Schiene und Strasse zu bündeln und die fehlende Straßenverbindung mit der 'Freiburger Allee' zu schließen. Diese Allee ist überwiegend auf Brachen und Abschnitten im bestehenden Gesamtsystem ohne Flächenneuverbrauch zu lösen. Von dem geschlossenen System der Alleen aus können alle 28 Stadtteile und 14 Sondergebiete erschlossen werden und jedes Grundstück über das fächerförmig mit konventionellen Mitteln der STVO organisierte System der bestehenden Straßen erschlossen werden. Dabei ist es dem MIV zuzumuten, von der Zufahrt zum jeweiligen Stadtteil Umwege in Kauf zu nehmen, während Fußgänger und Räder den direkten und kürzesten Verbindungen nutzen.

Der öffentliche Straßenraum ist von ruhendem Verkehr freizuhalten, dafür sind mehrere Stellplätze pro WE oder Sammelgaragen im UG nachzuweisen. Eine gestaffelte Begrenzung der Geschwindigkeit wird eingeführt: 25km/h in Nachbarschaften, 50km/h auf lokalen Straßen, 75km/h auf Alleen, Bund-Land- und Kreis-Straßen und 100km/h auf 4-streifigen Autobahnen. An den Nahtstellen von MIV und ÖPNV sind unterirdische P+R Plätze vorzusehen. Stadtteilzentren: Nach den Leitzielen der Freiburger AGENDA 21 erhalten die Stadtteile eine proportionale Ausstattung von öffentlichen Einrichtungen. Dazu gehören neben Bürgerhaus, Kirche, Schule, Kindergarten, Soziales, EKZ oder Markt, Post, Bank, Sportstätten auch eine Zweigstelle von VHS, Stadtbibliothek, Museum, Kommunalem Kino usw. Diese Einrichtungen und weitere Plätze, sowie wichtige Punkte, sollen möglichst durch intensiv gestaltete Fußgängerbereiche verbunden sein. Es sind nur wenige neue Gewerbeflächen in begründeten Fällen auszuweisen. In den vergangenen FNP's sind diese auf Vorrat ausgewiesen. Der Bestand ist durch Verdichtung und Mehrgeschossigkeit mühelos beliebig vermehrbar. Seine ÖPNV- und Straßen-Erschließung sind im bestehenden Netz erreichbar.


66 DIFU, Deutsches Institut für Urbanistik: Ziel + Zeitrahmen für den Wettbewerb "Stadt 2030".
67 Kirsch, J.H. Immo FNP- VEP 2030 http://freiburg2000.rieth.de v.10.4.01
DESIGN und ONLINE CMS, ONLINE GmbH Freiburg