ÜBERSICHT DER FLÄCHENENTWICKLUNG
Nach dem Abbruch der Vorstädte um 1677 und einem wieder wachsenden Bestand der Stadt ab 1744 wurde am 27.11.1944 durch einen Bombenangriff die Altstadt zu 78% zerstört oder beschädigt, 2.200 Menschen fanden den Tod. 1945 endete die vordemokratisch geprägte Geschichte der Stadt mit Ausnahme der 14 Jahre Weimarer Zeit. Nach dem Krieg wird 1945 per Dekret der französischen Militärregierung Demokratie und 1949 per Grundgesetz die repräsentative Demokratie in der BRD eingeführt. Verständlicherweise richteten sich ab 1944 alle Anstrengungen auf den Wiederaufbau des Stadtzentrums aber damit auch auf die Restauration der zentralen Idee von Stadt, die bis heute in der Regie eines Dezernats unter der Leitung eines CDU Bau-Bürgermeisters steht. Dazu wurden mehrfach entsprechende kritische Ausführungen gemacht.
Die Zähringerstadt von 1120 hatte aus Gründen der Verteidigung einen Durchmesser von 700 Metern und nach den Erweiterungen (Neuburg:1250, Lehener-: 1265 und Schnecken-Vorstadt:1300) eine Fläche von 78 Ha. Der Vauban'sche Befestigungsring von 1678 umfasste wie die Stadtgründung von 1120 etwa 37 Ha. Als die Stadt 1368 in den Besitz der Bürger überging lagen die neu erworbenen Orte meist isoliert vor der Stadt (Wiehre: 1368, Betzenhausen: 1381, Uffhausen und Wendlingen: 1390, Adelhausen: 1412 und Herdern: 1457). In der Zeit des Frühkapitalismus vergrößerte sich die Stadt bis 1850 um das sechsfache auf etwa 230 Ha. In der Ära des Imperialismus und Kolonialismus nach 1870/71 bemächtigte sich Freiburg der Orte Haslach und Günterstal: 1890, vor Beginn des I. Weltkrieges Littenweiler: 1914, im Faschismus annektierte sie 1938 St.Georgen und wuchs auf über 500 Ha an.
Im Entwurf zum FNP1976 wurden zum Bestand von 1.400 Ha weitere 241 Ha Wohnbau- und 325 Ha Gewerbeflächen = 1.966 Ha ausgewiesen. Dann wurde die Gemarkung durch die Gebietsreform um etwa 90% auf 15.304 Ha vergrößert und der FNP von 1978 auf eine besiedelte Fläche von 4.709 Ha ausgedehnt. Von den 1978 betroffenen Flächen von 553 Ha wurden bis 1997 370 Ha in Anspruch genommen. Auf Verlangen des Reg. Präsidiums wurden in einem so genannten 'Kleinen FNP' im Vorgriff bis 2005 20 Flächen mit insgesamt 275 Ha Wohn- und Gewerbeflächen ausgewiesen und die überbaubare Fläche auf 4.984 Ha erhöht. Durch den 'Grossen FNP 2010' soll dem Flächenverbrauch nach Variante 3 um weitere 263Ha auf 5.247 Ha erhöht werden. In der dort beigefügten Anlage 8 sind die Restriktionen auf der Freiburger Gemarkung eingetragen. Auch freie 'Wohnbau-Flächen aus dem FNP 1978 für 9.200 WE sind dargestellt. Das Angebot reiche jedoch nicht aus, deshalb sei abzuwägen, ob die fehlenden Flächen in Natur-, Landschaft- und anderen Schutzgebieten gefunden werden könnten. Der Plan zeigt auch, dass nur noch unbedeutende Flächen für mögliche Siedlungserweiterungen außerhalb von Schutzgebieten zur Verfügung stehen, die bis an das Ende der Zeit allen weiteren Generationen zur Verfügung bleiben. Deshalb ist die Forderung nach einem weiteren Flächenfraß von 263 Ha aufgrund von Bevölkerungszunahme, Wohlstandszuwachs und Bedrohung durch 'Suburbanisierung des Umlandes' gegenstandslos: Die Stadt Freiburg ist aufgrund seiner vordemokratischen Planungsmethoden an die Grenzen seiner Gemarkung gestoßen. Das heißt: Die Stadt braucht eine politische, intelligente, nämlich eine 'Demokratische Stadtentwicklung' nach den Grundsätzen der Freiburger AGENDA 21 mit Leitzielen für eine zukunftsfähige und nachhaltige Stadt- und Verkehrsentwicklung. Diese beginnt mit einer internen Entwicklung der Stadtteile unter weitgehend organisierter Beteiligung und Beratung der Bürgerschaft durch die Verwaltung.
Im Rahmen der Bürgeranhörungen zu den verschiedenen FNP von 1977-2010 wurden jeweils Bedenken und Anregungen eingebracht, die zwar zur Kenntnis genommen, aber überwiegend nicht berücksichtigt wurden.