Vision 2030

STÄDTEBAULICHES ORDNUNGSMODELL FÜR AGENDA-AK'S

Einführung

Die Stadt Freiburg ist 1996 den Zielen der Freiburger Agenda 21 für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung beigetreten37. Sodann wurden die Leitziele der Arbeitskreise Soziales, Bildung und Kultur, Frauen, Nächste Generation, Denkwerkstatt Bürgerschafts-Engagement, Eine Welt, Stadtentwicklung, Mobilität, Wasser u.a. entwickelt und im Freiburger Forum am 5.3.2001 beschlossen. Ausgehend von diesen Zielen hat der AK-Stadtentwicklung eine Studie für einen integrierten Flächennutzungsplan (FNP) und Verkehrsentwicklungsplan (VEP) erarbeitet. Dabei wurde als Planungshorizont das Jahr 2030 des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU) übernommen38, die politisch überfällige demokratische Ordnung der Stadt berücksichtigt und wegen seiner regionalen Bezüge der unerlässlich zu integrierende VEP eingearbeitet.

Planungshorizonte

Die feudalistische Stadtgründung Freiburg von 1120 war nach antiken Vorbildern für etwa 5000 Einwohner auf einer Fläche von etwa 37 Hektar geplant. Nach dem additiven Maß-System des Mittelalters wurde die Stadt um die Neuburg (1150), Lehener (1265) - und Schnecken-Vorstädte (1300) erweitert und hatte dann eine Größe von etwa 78 Hektar. Bis 1457 kamen 6 externe Eingemeindungen hinzu. Durch Louis XIV und seinen Stadtplaner Vauban wurde die Stadt brutal verändert. Die Vorstädte wurden eingeebnet, die Altstadt mit einem Festungsring (1678-1745) umgeben und vielerorts nach dem geometrischen Maß-System umgestaltet, bis die Bastionen usw. schließlich beseitigt wurden. Danach wurden von Freiburg vier weitere Gemeinden übernommen und Freiburg wurde eine offenen Stadt mit Villen im Grünen, wuchs bis 1850 um etwa das sechsfache auf 230 Hektar und bis zur Zerstörung seiner Altstadt am Ende des Faschismus 1944 auf etwa 500 Hektar, aber seine vordemokratische Planungsmentalität hält bis heute ungebrochen an. Die Altstadt wird nach dem Wiederaufbauplan nach traditionellen Vorbildern erneuert, und die Gesamtstadt zentralistisch weitergeplant. Mit Hilfe der FNP'e '56/'62 und '70 wurde sie zu einer Agglomeration von Wohn- und Gewerbegebieten mit Einwohnerzahlen zwischen 130.000/180.000 bzw. 220.000 EW mit einem Bestand von 1.400 Hektar. Durch den FNP '76 mit 242 Hektar Wohnbau- und 325 Hektar Gewerbeflächen wurde der Bestand auf 1.975 Hektar ausgedehnt. Während in den Generalverkehrsplänen von 1960 und 1965 für den regionalen Straßenverkehr zwar noch eine ASS als O/W-Verbindung und im FNP '78 als Ersatz dafür der Rosskopf-Tunnel vorgesehen war, wurde der Verkehr der Bundes-, Landes- und Kreis-Straßen seitdem nach dem Gießkannen-Prinzip mitten durch die Stadtteile geschleust39. Durch die Ausweisung von Sanierungsgebieten in der Altstadt und den benachbarten Stadtteilen, einhergehend mit der Vernichtung von preiswertem Wohnraum, wurden deren Bewohner vertrieben und in großem Umfang Wohnraum für Büros usw. zweckentfremdet40. In der misslungenen Gebietsreform von 1980 wird das Stadtgebiet um 90% auf 15.304 Hektar und eine besiedelte Fläche von 4.709 Hektar ausgedehnt. Von der erhofften Übernahme der Nachbargemeinden wurden außer den Tuniberggemeinden nur Ebnet, Kappel und Lehen von den Geschenken der Stadt angelockt. Sie erhielten dafür aber ungelöste Probleme der Stadt wie Müll, Abwasser, Verkehr, soziale Integration, Restriktionen für Landschafts/Natur/Wasser-Schutz. Die Stadt Freiburg setzte selbst im Westen den von ihr beklagten Suburbanisationsprozess mit 5.731/19.055 EW zwischen den Jahren 1965 und 2000 in Gang41. In den übernommenen Gebieten fehlt teilweise bis heute die Infrastruktur für Versorgung, Kultur usw., die Anbindung an den schienengebundenen ÖPNV und den überörtlichen Straßenverkehr. Auch die vergrößerte Gemarkung Freiburg ist heute nahezu vollständig überplant, sodass die meisten in Sammellisten aufgeführten Flächen in Schutzgebieten liegen42.

AGENDA- Stadtentwicklung

Obwohl sich die Stadt 1996 auf die Prinzipien der Charta von Aalborg verpflichtete und sich ein stärkeres bürgerschaftlich/soziales, ökologisch/ ökonomisches Bewusstsein in der Bürgerschaft entwickelte, während seine Einwohnerzahl stagnierte, beeilte sich die Stadt, gewissermaßen im 'Handstreich', den so genannten "Kleinen Flächennutzungsplan 97“ zu verabschieden in dem erneut eine Fläche von 230 Hektar ausgewiesen und gravierend in die Grünzonen und Siedlungszäsuren eingegriffen wurde. Die Freiburger Stadt- und Verkehrs-Planung seit 1945 zeigt damit, dass sie aus sich heraus nicht in der Lage ist, sich von einem vordemokratischen Verständnis von Stadtentwicklung zu lösen und konsequent die Prinzipien der AGENDA, hier die Leitziele der Freiburger Agenda 21 als Grundlage für den FNP 2010 zu befolgen. Die gemeinsame Diskussion von AFB/BZ/FreiburgerAGENDA 21 hat gezeigt dass viele der Maßnahmen, welche die Stadt aus ihren statistischen Unterlagen ableitet, nicht zukunftsfähig sind. Oberstes Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung muss deshalb eine Strategie nach den Leitzielen der Freiburger AGENDA werden, die absolut ohne weiteren Flächenfraß die Anforderungen der Gesamtheit aller zukünftigen Generationen der Einwohner von Freiburg erfüllt. Über den FNP 2010 hinaus muss deshalb mindestens die Vision von der Stadt der nächsten Generation, also der Planungshorizont 2030 stehen.

Integrierter FNP-VEP 2030

Dieser Plan baut auf den Leitzielen der AK-Stadtentwicklung auf. Er stellt eine längst überfällige demokratische Stadtstruktur für Freiburg vor. Diese beruht auf der Grundlage der 28 historischen bzw. neuen Stadtteile nach der Einteilung der Stadtbezirke des Amtes für Statistik und Einwohnerwesen Freiburg und 14 Sondergebieten. Da die Einteilung verwaltungstechnisch und nicht bürgerschaftlich entstanden ist, muss die Bürgerschaft ihren zukünftigen Grenzen zunächst selbst zustimmen. Sie wählt dazu in Stadtteilwahlen je einen Vertreter in den GR. Diese 28 Ortschafts-/Stadtteil-Räte vertreten in Zukunft die bürgerschaftlichen Belange der Stadt, während die Vertreter der Parteien politische Belange fördern43. Dies ist wichtig für die Entwicklung von Identität und Integrität der Nachbarschaften, weil damit sowohl über Zugehörigkeit zum Stadtteil, Ausdehnung der Bürgervereine, Wahlbezirke, gewählten Vertreter (vergl. Ortschaftsräte) im Gemeinderat usw. entschieden wird, als schließlich auch über die Lage ihres städtebaulichen Mittelpunktes, Zuwendungen zur Ausstattung der Infrastruktur, eines Bürgerbüros im Bürgerzentrum, den Anschluss an das Netz des ÖPNV, Anschlüsse und Erschließung des Straßenverkehrs, Fußgängerzonen, Radwege und Geschwindigkeits-zonen, Zubringernetze für die Hang- und Randlagen, Nulltarifzonen, Schulbezirk usw. Der integrierte VEP gewährleistet einen ÖPNV-Anschluss im 5-min Takt an das regionale Schienenverkehrsnetz von Breisgau und Stadtbahn. Der überregionale Personen- und Güterverkehr auf der Rheintalstrecke ist an der Kreuzung mit der Breisgau-Bahn vom Regionalnetz zu trennen, separat auf dem bestehenden Netz der DB-AG zu führen und zweigleisig auszubauen. Parallelstrecken der Freiburger S-Bahn können rückgebaut werden. Die A5 wird 6-streifig ausgebaut und an das 4-streifige Netz der Freiburger Alleen angebunden. Als Ersatz für den Fernverkehr über den früher geplanten Rosskopftunnel kann die B31 O/W im Bereich Kronenbrücke/Ganter zweistreifig untertunnelt werden. Als Ersatz für die früher geplante ASS wird das bestehende Netz von Alleen geschlossen und mit Anschlüssen für jeden Stadtteil versehen, um dort den Durchgangsverkehr zu eliminieren. Gleichzeitig erfolgt der Rückbau in den Stadtteilen auf deren Bedürfnisse mit Erreichbarkeit jedes Grundstückes, Rettungswegen für Notdienste, Regelungen des ruhenden Verkehrs usw.

Statistik
Plan 9: Statistik

Region

Die Planungshoheit der Umlandgemeinden muss in Zukunft voll respektiert werden. Der AK Stadtentwicklung der Freiburger AGENDA 21 unterstützt die Autonomie der Region. Sie kann Vorbild für die zukünftige demokratische Struktur der Freiburger Stadtteile zum Stadtzentrum sein. Insbesondere unterstützt sie eine Entwicklung des Umlandes auf den Sektoren Bevölkerungsentwicklung, Siedlungszäsuren, regionaler Straßen und Schienen-Verkehr und von Siedlungszellen entlang einer privatisierten Breisgau-Bahn mit erheblichen Steigerungen ihrer Kapazität.

Stadtteilstudien

Auf Vorschlag der AG Flächennutzungsplan wurde der Stadtteil Mooswald als Modell für einen Stadtteil aus dem Stegreif auf seine Anwendbarkeit untersucht44. Die im Rahmen dieser Arbeit entwickelten Studien sollten für möglichst viele Stadtteile als Architekten-Wettbewerbe, unter Beteiligung der Bürgerschaft im Preisgericht, ausgeschrieben werden. Der Plan Mooswald zeigt ein Stadtteilzentrum mit einem Turmhaus als symbolischer Mittelpunkt, ein EKZ auf der Hauptstrasse mit überdeckten Fußwegen zur Fußgängerzone, Straßenverkehrs-Anschlüsse an die Berliner- und Padua-Alle, sowie eine Haltestelle der Breisgau-Bahn für den regionalen ÖPNV. In Typenplanungen werden auf freiwilliger Basis organisierte Wohnheim-Baugruppen zur Verbesserung der Monostruktur des Stadtteils erarbeitet. Die Studie kann auf ähnlich strukturierte Nachbarschaften wie z.B. Littenweiler usw. angewendet werden. Weitere Untersuchungen wurden im Zuge der Wettbewerbe 'Werder-Rotteck-Ring' und 'Alter Messplatz' dargestellt.

Alternativplanungen ohne Flächenverbrauch

  • Umwandlung von Villen, Häusern auf der grünen Wiese, Senioren/Witwer-Besitz durch Teilung in Mietwohnungen oder Wohnungseigentum (WE) in Einheiten durch Geschoss/ Wohnungs-Teilung, Modernisierung (Bestandsaufnahmen, Architekten-Wettbewerbe, Grundsteueranhebung, Fördermittel).
  • Maßvolle Bebauung von Hinterhof-Flächen durch Neubau mit teilbaren Grundrissen (Architekten-Wettbewerbe, Fördermittel u. a.), Grundsteuervergünstigung.
  • Räumung von zweckentfremdeten Wohnhäusern (Uni-Institute, Ärztepraxen/ Anwaltskanzleien/ Versicherungen/ Banken/ Zweigstellen/ Handel/ Gewerbe) Bahnhofsüberbauung, Uni-/Institutsviertel, Wettbewerb: Rotteck/Werderring: 4 moderne Bürotürme.
  • Alter Messplatz: Verlagerung des EKZ als Deckel über den Verkehrsbrachen am alten städtebaulichen Zentrum bei Mariahilf, dafür nur FHB-Quartiere auf dem Messplatz (siehe http://freiburg2000.online-gmbh.com)
  • Bei Planung von Neubaugebieten für relativ junge Familien muss die Dimensionierung öfftl. Einrichtungen (Kindergärten, Schulen usw.) nach der ausgependelten EW-Zahl und Zusammensetzung erfolgen. Übergangsweise sollen mobile Bauten erstellt werden.
  • Überarbeitung und Fortführung des Ergebnisses des F+E-Vorhabens 101-02-067 des Umweltbundesamtes: 'Stadtentwicklung ohne Landschaftsverbrauch'45.

37 Stadt Freiburg Beschluss GR v.23.7.96
38 DIFU Deutsches Institut für Urbanistik, Ideenwettbewerb 'Stadt 2030'
39 Stadt Freiburg Tiefbauamt (TBA) Generalverkehrspläne '60 und '65
40 dies. Amt für Statistik: Altstadt Mitte/Ring/Neuburg 1961-2000
41 dies. Hochdorf, Lehen, Waltershofen, Opfingen, Tiengen, Munzingen, Kappel, Ebnet
42 dies. Drucksache STEA 01001.1, Anlagen 5/2001
43 dies. Statistisches Amt, Gliederung des Stadtgebietes
44 Kirsch, J.H.Immo Studie und Plan zur Mooswaldsiedlung und zu Baugruppen 'Junge Familie'
45 Umweltbundesamt F+E Vorhaben 101 02 067
DESIGN und ONLINE CMS, ONLINE GmbH Freiburg